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Künstler: Dornenreich

Album: Hexenwind

Erscheinungsjahr: 2005

Anspieltipp: Der Hexe flammend' Blick

Autor: Markus

Als vor knapp fünf Jahren „Her von welken Nächten” veröffentlicht wurde, kannte die Begeisterung bei Freunden hochemotionaler und mit einem intellektuellen Anstrich versehener Musik keine Grenzen. Die beiden jungen Österreicher Eviga und Valnes hatten es geschafft eines der stilvollsten und ideenreichsten deutschsprachigen Alben der Gegenwart zu kreieren. Obwohl die Langgrille in erster Linie Schwarzmetall Freunde ansprach, erlangte die Formation Dornenreich einen weit über dieses Subgenre hinausgehenden Bekanntheitsgrad und konnte sich als eine der innovativsten Bands der gesamten Hartwurstszene etablieren. Schon kurze Zeit nach dem Release von „Her von welken Nächten“ geisterten Informationen über ein „Hexenwind“ benanntes Nebenprojekt der beiden Dornenreich Protagonisten durch die Presse, dessen Debutalbum in absehbarer Zeit das Licht der Welt erblicken sollte. Obwohl dieses erste Lebenszeichen des vermeintlichen Dornenreich Zwillingsbruders mit vehementer Penetranz angekündigt wurde, blieb eine Veröffentlichung des besagten Albums bis heute aus. Stattdessen steht seit kurzer Zeit nun der vierte offizielle Studiooutput Dornenreichs in den Plattenläden der Nation und trägt den Namen des ehemals  angedachten Seitenprojekts. Auf Grund der unerträglich lang anmutenden Wartezeit und  der unbestreitbaren Hochklassigkeit des Vorgängerwerkes, stellt sich anno 2005 also die Frage, ob die zweiköpfige Formation ihrem sich selbst gesetzten Qualitätsstandard entspricht oder ob sie unter der Zentnerlast aus Erwartungshaltungen zusammenbricht.

Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass Dornenreich auf „Hexenwind“ einen gänzlich anderen Ansatz musikalischer Ausdrucksform wählen als noch vor fünf Jahren. Die Schwarzwurzel Anleihen, die bisher jede Veröffentlichung des Duos zierten, treten nur noch fragmentär in Erscheinung und tragen lediglich zur Aufrechterhaltung einer gespenstischen Atmosphäre bei, statt das Klangbild zu dominieren. Diese deutlich ruhigere Herangehensweise mag für den einen oder anderen gestandenen Black Metaller während der ersten Hördurchläufe äußerst befremdlich wirken, raubt der Musik Dornenreichs jedoch weder die so sehr geschätzte emotionale Tiefgründigkeit noch ihre Extravaganz. Im Gegenteil: Eine überlange und vor Herzblut triefende Komposition wie das fast zwölfminütige „Der Hexe flammend’ Blick“ darf als eines der eigenständigsten und leidenschaftlichsten Stücke der gesamten Bandgeschichte betrachtet werden. Mit den einfachsten musikalischen Mitteln gelingt Eviga und Valnes die Erschaffung einer düsteren und beängstigenden Atmosphäre, die ihresgleichen sucht und in dieser Form einzigartig ist. In diesem Zusammenhang fällt insbesondere das relativ simpel anmutende Schlagzeugspiel auf, welches sich hypnotisch seinen Weg durch die äußerst homogen anmutende Klanglandschaft bahnt und sicherlich zunächst gewöhnungsbedürftig erscheint. Im Gegensatz zum bewusst monoton gehaltenen Drumming sind die Vocals auf „Hexenwind“ deutlich variabler gestaltet. Der weitgehend dominante, im Flüsterton dargebotene Gesang wird bisweilen durch theatralisch aus den Boxen tönende Vocals oder regelrecht paranoid wirkendes Gekrächze ergänzt, was den Sound der Österreicher um zusätzliche Nuancen bereichert und diesen facettenreicher erscheinen lässt.

Lyrisch degradieren Dornenreich einmal mehr jeglichen Deutschunterricht am Gymnasium zum Kindergeburtstag. Beim lediglich oberflächlichen Durchlesen der von Eviga in künstlerischer Sprache verfassten Texte, werden sich die überlegt aneinander gereihten Worte dem geneigten Konsumenten wenig bis gar nicht erschließen, weshalb eine Auseinandersetzung mit der niedergeschriebenen Wortkunst dringend zu empfehlen ist.

Dornenreich erfüllen einmal mehr die haushohen an sie gerichteten Erwartungen zu genau einhundert Prozent und festigen ihren Ruf eine der ambitioniertesten und eigenwilligsten Bands der gesamten Düsterszene zu sein. Mit Sicherheit ist „Hexenwind“ grundlegend anders als die unmittelbaren Vorgänger ausgefallen. Aber wer hat von dieser Formation schon erwartet, dass sie sich selbst kopieren würde?

 

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